02.12.21 | Jugend und Schule Lernräume gemeinsam entwickeln
LWL beteiligt Kinder an Planungen zum Förderschulcampus
In der "Planungsphase Null" zeigten unter anderem Förderschüler:innen anhand von Modellen, wie sie sich ihre Schule vorstellen. Foto: LWL/Opticus Schule
"Unser Ziel ist es, die Wünsche und Bedürfnisse von Schüler:innen und Lehrer:innen beim Bau neuer Schulgebäude schon vor der Planung einzubinden", erklärt Matthias Gundler, Leiter des zuständigen LWL-Bau- und Liegenschaftsbetriebs. "Die Schüler:innen sollen in den neuen Gebäuden ein Gefühl von Vertrautheit und Zugehörigkeit entwickeln." Gleichzeitig gelte es, neben den pädagogischen und architektonischen Konzepten neue ökologische und technische Standards zu etablieren - und dabei natürlich im Kostenrahmen zu bleiben. "Das ist keine leichte Aufgabe", gibt Gundler zu. Aber eine, die sich lohne: Studien hätten gezeigt, dass Gebäude, die partizipativ geplant werden, anschließend besser erhalten werden. Gundler: "Wenn ich selbst daran mitgewirkt habe, wie mein Klassenzimmer aussehen könnte, dann behandle ich diese Räumlichkeiten anschließend auch pfleglicher."
In der sogenannten 'Planungsphase Null' zeigten unter anderem Förderschüler:innen, Eltern und Lehrkräfte, wie sie sich 'ihre' Schule vorstellen. Mal mit Modellen in einem Sandkasten, mal mit Pappmodellen, mal mit Bildern. In den meisten Fällen waren das konkrete und vor allem machbare Ideen wie etwa eine neue Cafeteria oder Ideen für ein Außenspielgerät. "Das Raumschiff im Klassenzimmer oder die Ritterburg im Pausenraum sind uns nicht begegnet", sagt LWL-Architektin Laura Steingrube. "Die Kinder hatten fast immer sehr realistische Vorstellungen."
In Regelschulen wir diese Form der Beteiligung bereits vermehrt eingesetzt. "Im Förderschulbereich gehört der LWL zu den Vorreitern", erklärt Gundler. Dabei unterscheide sich die eigentliche Arbeit mit den Schüler:innen kaum von der mit Kindern ohne Förderbedarf. Lediglich die Anforderungen an Schulgebäude sowie "offene Lernlandschaften" seien andere. Gundler: "In einer Förderschule, in der Schüler:innen teilweise liegend beschult werden, einen Rollstuhl oder andere Hilfsmittel wie etwa Gehhilfen benötigen, braucht es beispielsweise größere Klassenräume und breitere Flure. Und Kinder, die eine schwere Sehbehinderung haben, hilft etwa ein verdunkelter Low-Vision-Raum dabei, die visuellen Fähigkeiten zu stimulieren."
Während der 'Phase Null' haben die Expert:innen des LWL viel von den Kindern gelernt. Steingrube: "Bei der Konzeption einer normalen Schule bringt man als Beteiligter automatisch Erfahrungen aus der eigenen Schulzeit mit ein. Bei einer Förderschule mit besonderen Anforderungen sind wir viel mehr auf die Erfahrungen der Förderschulkinder, ihrer Lehrer:innen und Eltern angewiesen." Auf diese Weise könne sichergestellt werden, dass die Anforderungen der Nutzer:innen, vor allem der Schüler:innen, an besondere Schulformen auch wirklich in den anschließenden Planungen berücksichtigt würden.
Einen weiteren Vorteil dieses partizipativen Prozesses sehen die Beteiligten auch für den nun anschließenden Architektenwettbewerb: "Wir können damit die planenden Architekturbüros viel besser über die Bedürfnisse der zukünftigen Gebäudenutzer:innen informieren als mit den besten Tabellen oder Bedarfsabfragen."
Die Auslobung des Wettbewerbs ist im Frühjahr geplant.
Im Förderschulbereich gehört der LWL mit dieser Form der Beteiligung zu den Vorreitern. Foto: LWL/Albatros-Schule
Pressekontakt
Hannah Pöppelmann-Reichelt, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 20.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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