29.06.21 | Psychiatrie 50.000 Mal haben Kinder und Jugendliche seit 1966 therapeutische Hilfe in der LWL-Klinik Marl-Sinsen gesucht
Zahl der Fälle hat sich verdreifacht
Dr. Rüdiger Haas erwartet einen weiteren Anstieg der Fallzahlen psychisch erkrankter Kinder- und Jugendliche.
Foto: LWL
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie sei ein wichtiger Bestandteil der Medizin geworden, so Haas. Dass die Zahl der Fälle zunimmt, läge nicht nur daran, dass junge Menschen häufiger erkrankten, sondern auch daran, dass psychische Erkrankungen früher festgestellt würden und die Hemmschwelle, sich Hilfe zu suchen, erfreulicher Weise geringer geworden sei, ist sich der Kinder- und Jugendmediziner sicher.
Trotzdem sei die Situation, auch vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie mit ihren gravierenden Einschränkungen für junge Menschen sehr ernst. Haas erwartet einen weiteren Anstieg der Zahlen zum Beispiel in Bezug auf Essstörungen, Schulängsten und Zwangsstörungen.
Wurden in den Anfängen der LWL-Klinik Marl-Sinsen mehrheitlich junge Menschen mit einer geistigen Behinderung behandelt, heißt die Diagnose heute vielfach: depressive Episode. Auch die Art der Therapie hat sich im Laufe der Jahre signifikant verändert, weg von einer Betreuung, hin zu einer modernen Therapie mit Konzepten nach aktuellen wissenschaftlich Leitlinien, in denen die Familienarbeit eine wichtige Rolle spielt.
Auch die Verweildauer hat deutlich abgenommen, von anfangs häufig mehr als zwölf Monaten zu etwa vier Wochen im Durchschnitt. Manchmal reichen auch wenige Tage für eine Stabilisierung der jungen Patientinnen und Patienten.
Hintergrund
Von 1966 (damals hieß die Klinik noch Haardheim) bis 2007 verzeichnete die LWL-Klinik Marl-Sinsen 25.000 Fälle, 2010 waren es dann schon 30.000. 2015 stieg die Zahl auf 40.000 und 2021 schließlich auf 50.000 Fälle.
Die LWL-Klinik Marl-Sinsen ist eine der größten Fachkliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschlang. Sie bietet therapeutische Hilfe bei psychiatrischen Störungen für ein Pflichtversorgungsgebiet von 1,6 Millionen Menschen. Dabei umfasst die Therapie neben der psychiatrischen Behandlung ein breit gefächertes Angebot an Fachtherapien und Freizeitangeboten. Auch Um einen langfristigen Therapieerfolg zu erzielen wird das soziale Umfeld der jungen Patientinnen und Patienten mit in die Behandlung mit einbezogen. Angeboten werden zum Beispiel Familieninteraktionstrainings und Psychoedukationsgruppen.
Die LWL-Klinik Marl-Sinsen ist eine der größten Fachkliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland.
Foto: LWL
Pressekontakt
Kerstin Seifert, LWL-Klinik Marl-Sinsen - Haardklinik -, Telefon: 02365 802-2126 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 20.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
Zu allen Pressemitteilungen des LWL Zu allen Pressemitteilungen dieser LWL-Einrichtung