10.06.21 | Kultur "Auf schwankenden Planken"
LWL-Preußenmuseum zeigt 2023 Ausstellung "Preußen auf See"
Fragment der Fahne des Marine-Vereins Minden, Vorderseite. Stickerei auf Seide, 1910.
Foto: LWL/Bekemeier
"Die Ausstellung ruft die oft vergessene, aber lange maritime Geschichte Preußens seit dem 17. Jahrhundert mit ihren vielfältigen internationalen, wirtschaftlichen, sozialen und technischen Aspekten in Erinnerung", so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger am Mittwoch (9.6.) vor dem Kulturausschuss des Verbandes in Münster. Die Abgeordneten billigten die 600 Quadratmeter große Sonderausstellung, endgültig zustimmen muss der LWL-Landschaftsausschuss am 25. Juni.
Rüschoff-Parzinger: "Diese Ausstellung wird eine Geschichte erzählen, die alle Elemente eines spannungsreichen Abenteuerromans enthält: Piraten, ferne Länder, Gewinnsucht, Unternehmergeist, Intrigen, gescheiterte Schicksale und Hoffnungen, Freiheitsstreben und Unterdrückung, Technikbegeisterung, Entdeckerdrang und Wagemut."
Hintergrund
Das brandenburgische Kernland verfügte Anfang des 17. Jahrhunderts über keinen Zugang zum Meer, wohl aber das "angeheiratete" Herzogtum Preußen, seit 1618 sogar mit eigenen Seestreitkräften, heißt es in der entsprechenden Ausschussvorlage. Niederländische Vorbilder bestimmten die Anfänge und führten auch zu ersten kolonialen Ambitionen unter dem Großen Kurfürsten, denen jedoch keine lange Dauer beschieden war.
So ist die Geschichte der "Preußen auf See" zunächst eine europäische Geschichte, die jedoch schnell zu einer Geschichte globaler Verflechtungen wird und die Preußen in Konkurrenz zu europäischen und internationalen Mächten wie Schweden, den Niederlanden und der vorherrschenden Seemacht Großbritannien brachte.
Der "Drang aufs Meer" trug aber von jeher eine Ambivalenz in sich: Tatkräftigem Aufbruch, Unternehmungslust und Machtanspruch standen Freiheitssehnsucht und Fluchtperspektive aus Bedrückung, Enge und Repression gegenüber. Zumal maritime Geschichte auch Geschichten von neuen sozialen Aufstiegschancen in der Ständegesellschaft des 19. Jahrhunderts erzählt, die den technischen und gesellschaftlichen Fortschrittsdrang widerspiegeln.
Zugleich öffnete das Meer den Blick in die Fremde und erweiterte das Bild vom Fremden: Die preußische maritime Geschichte eignet sich daher in besonderer Weise, auch die deutsche Kolonialgeschichte und ihre Nachwirkungen bis in die Gegenwart zu reflektieren. Das begleitende Vermittlungsangebot zur Ausstellung greift insbesondere den globalisierenden Aspekt der Schifffahrt und die damit verbundenen aktuellen politischen Debatten auf.
Pressekontakt
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Doris Wermelt, LWL-Preußenmuseum Minden, Telefon 0571 83728-13, presse-pmm@lwl.org
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