29.03.21 | Kultur Archäologische Neuigkeiten im Hagener Osten
Funde aus drei Epochen entdeckt
Impression von der Voruntersuchung der LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Olpe, im November 2020.
Foto: LWL/Fabian Geldsetzer
Eisenzeit, Mittelalter und Neuzeit
Mirjam Kötter ist Stadtarchäologin in Hagen: "Die jüngsten Ausgrabungen bei Haßley bestätigen erneut, dass Hagen eine reichhaltige und spannende archäologische Fundlandschaft ist. Hier siedelten vor über 2.000 Jahren Menschen, errichteten eine Hofstelle und bestatteten ihre Toten." Die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten habe es ermöglicht, alles sorgfältig zu dokumentieren und so für die Nachwelt zu erhalten.
Innerhalb der Grabungsfläche konnten archäologische Befunde und Funde aus drei Epochen entdeckt werden: Eisenzeit, Mittelalter und Neuzeit.
Die von der Hagener Entwicklungsgesellschaft (HEG) beauftragte archäologische Fachfirma fand während der Ausgrabung mehrere verfüllte Gruben und Pfostenlöcher eines Gebäudes. Der LWL-Archäologe und Leiter der Außenstelle Olpe, Prof. Michael Baales: "Diese Verfärbungen entstanden durch die Eingrabung von Holzpfosten in zwei Reihen, die das Grundgerüst des Hauses bildeten. Diese lassen sich unter anderem zu einem der ältesten Hausgrundrisse in Hagen rekonstruieren."
Inner- und außerhalb des Gebäudegrundrisse fanden sich weitere Bodenverfärbungen, die sich als Brandgräber entpuppten. Sie enthielten sowohl stark verbrannte Tierknochen als auch menschliche Skelettreste. Der Umstand, dass sich die Gräber inner- und außerhalb des Gebäudes befanden, wirft die Frage auf, ob ein Zusammenhang zwischen dem Haus und den Gräbern bestand. Antworten erhoffen sich die Fachleute von weiteren naturwissenschaftlichen Untersuchungen und Datierungen, die derzeit noch ausstehen.
Im Nordosten des Untersuchungsareals konnten wesentlich jüngere Befunde entdeckt werden: Einige Gruben aus dem späten Mittelalter. Aus diesen wurden zahlreiche Abfallprodukte (sog. Schlacken) der Metallproduktion geborgen. Der LWL-Archäologe Dr. Manuel Zeiler konnte typische Überreste des Schmiedeprozesses identifizieren. Da weitere mittelalterliche Strukturen fehlen, befand sich hier möglicherweise die Schmiede eines mittelalterlichen Hofes. Die Fachleute nehmen an, dass dieser Bereich am äußeren Rand der eigentlichen Hofstelle lag und sich daher für die gefährlichen Aktivitäten einer Schmiede besonders eignete.
Alte Wegeführung aus dem frühen 19. Jahrhundert
Im südlichen Bereich der Fläche entdeckten die Archäolog:innen die Überreste einer Straße. Sie zeigte sich als eine mit Steinen aufgefüllte Senke, welche beidseitig von Drainagen begleitet wurde. Die Existenz der Straße ist seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt, da sie in der Zeit zum ersten Mal kartiert worden war. Somit stellt sie den jüngsten Befund der Ausgrabung dar.
"Die Untersuchungen bei Hagen-Haßley zeigen, wie wichtig es ist, auch auf bisher fundfreien Flächen in potentiell günstigen Siedlungsarealen vor einer Bebauung die archäologische Denkmalpflege frühzeitig hinzuzuziehen. So können bisher unbekannte Bodendenkmale vor ihrer Zerstörung zumindest dokumentiert werden", betont Baales.
Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege: Marleen Korte, die aktuell dieses Freiwilligenjahr in der Außenstelle Olpe der LWL-AfW absolviert, legt das erste Brandgrab frei.
Foto: LWL/Fabian Geldsetzer
Die Wetterbedingungen im Spätwinter 2021 waren herausfordernd. Zu erkennen sind die teilweise bearbeiteten Grubenbefunde des Hausgrundrisses und der Brandgräber im Umfeld.
Foto: LWL/Michael Baales
Grabungsleiter der Fachfirma, Dáire Leahy, erläutert die Befundsituation eines Brandgrabes. In dem Profilanschnitt ist der menschliche Leichenbrand in Form einer Konzentration kleiner, stark verbrannter und daher weiß verfärbter Knochensplitter gut zu erkennen.
Foto: LWL/Michael Baales
Einige größere Gruben aus dem Mittelalter waren mit Holzkohlen und Brandlehm verfüllt. In ihrem Umfeld wurde Eisen geschmiedet.
Foto: LWL/Michael Baales
Pressekontakt
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Sandra Görtz, LWL-Archäologie für Westfalen, Tel.: 0251 591-8946
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