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"Guet Gaohn!"

Oma Else telefoniert auf platt – Münsterländer Platt. Und wenn Enkel Erik und Nichte Nele sind zu Besuch und schnappen sie das eine oder andere Wort auf. Sie fragen sich: Was sind "Nachtpolter", "Poggenstohl" und "Freiseküddel"?

"Guet Gaohn!"

Oma Else telefoniert auf platt – Münsterländer Platt. Und wenn Enkel Erik und Nichte Nele sind zu Besuch und schnappen sie das eine oder andere Wort auf. Sie fragen sich: Was sind "Nachtpolter", "Poggenstohl" und "Freiseküddel"?

Videos: Folge 1 bis 3

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Folge 1: Poggenstohl

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Folge 2: usselig

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Folge 3: Freiseküddel

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Portrait von Dr. Markus Denkler kombiniert mit dem Zitat "Plattdeutsch ist genau mein Thema"

Interview mit Dr. Markus Denkler

Dr. Markus Denkler ist Geschäftsführer der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung. Er kommt aus dem nördlichen Münsterland und ist mit Münsterländer Platt aufgewachsen. Die Sprache hat ihn so gepackt, dass er sie sogar studierte.

Interview

In den Kurzvideos greift „Oma Else“ zum Telefon und spricht Platt. Mit wem kann sie heute überhaupt noch in dieser Sprache telefonieren?

Leider nur noch mit wenigen. Die Menschen, die noch fließend Platt sprechen, gehören heute überwiegend zur älteren Generation.

Früher war das anders: Plattdeutsch war Alltagssprache, Kinder lernten es ganz selbstverständlich von ihren Eltern. Das änderte sich, als Ende des 19. Jahrhunderts die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde. Hochdeutsch war die Sprache der Schule, und Plattdeutsch verlor stark an Bedeutung.

Und heute?

Heute wird die Sprache in den meisten Familien gar nicht mehr weitergegeben. Wenn überhaupt, dann lebt sie noch in Nischen weiter.

So wie bei „Guet Gaohn!“ mit „Oma Else“ und „Enkel Erik“?

Genau. Oma Else spricht noch richtig Platt. Enkel Erik versteht oft nur Bahnhof – aber er ist neugierig. Er hört zu, fragt nach, bleibt dran. So entwickelt er langsam ein Ohr für die Sprache.

Diese Konstellation ist gar nicht mal selten: Gerade wenn Großeltern und Enkel im selben Haus leben, wird Plattdeutsch häufig von den Großeltern an die Enkelkinder weitergegeben.

Warum heißt Plattdeutsch eigentlich „Plattdeutsch“?

Der Begriff taucht erstmals im 16. Jahrhundert auf. Damals meinte „Plattdeutsch“: eine klare, verständliche Volkssprache. Die abwertende Bedeutung – im Sinne von „derb“ oder sogar „minderwertig“ – kam erst später dazu.

Hat Platt noch eine Zukunft?

Als Alltagssprache sicher nicht. Aber im Kulturbereich lebt Plattdeutsch weiter – auf Theaterbühnen, bei Lesungen oder Wettbewerben. Und es gibt immer wieder junge Leute, die sich dafür interessieren. Das ist zwar keine Trendwende, aber es zeigt: Die Sprache verschwindet nicht einfach.

Man kann es auch nüchtern sagen: Plattdeutsch folgt dem typischen Verlauf einer sterbenden Sprache. Kurz bevor sie verschwindet, wächst oft noch einmal das Bewusstsein für ihren Wert. Sie wird gepflegt, gesammelt, bewahrt – aber ihren Bedeutungsverlust hält das in der Regel nicht auf.

Gibt es eigentlich schon eine KI, die Plattdeutsch sprechen kann?

Es gibt tatsächlich verschiedene Initiativen, die Künstliche Intelligenz auch für die plattdeutsche Sprache nutzbar machen wollen. Vor allem beim geschriebenen Platt stehen die Chancen auch gar nicht schlecht, weil hier relativ große Textmengen als Trainingsgrundlage zur Verfügung stehen.

Schwieriger ist die Entwicklung einer KI, die Plattdeutsch sprechen kann. Dafür werden umfangreiche Tonaufnahmen benötigt, die aber nur begrenzt vorhanden sind. Hinzu kommt die Vielfalt der Mundarten in Westfalen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob wir wirklich genug Sprachaufnahmen haben, um eine KI wirklich gut zu trainieren.

Würden Sie Plattdeutsch gern retten?

„Retten“ im Sinne von: alle sprechen wieder Platt – das ist unrealistisch. Unser Ziel ist ein anderes: dokumentieren, erforschen, bewahren. Damit zukünftige Generationen noch verstehen können, was diese Sprache ausmacht.
Das Bewusstsein dafür wächst übrigens: Mit jeder Sprache verschwindet ein Stück kulturelles Wissen. Deshalb ist es so wichtig, sie wenigstens so gut wie möglich zu dokumentieren. Dann geht sie nicht ganz verloren.

Ihr plattdeutsches Lieblingswort?

Das habe ich tatsächlich gar nicht. Dafür gibt es einfach zu viele spannende – und ich entdecke immer wieder neue.

Weitere plattdeutsche Wörter erklärt Dr. Markus Denkler in seinem Buch "Plattdeutsch entschlüsselt" und in der Serie "Wort des Monats" der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens.