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Der Gemeintschaftsraum ab 1919, in dem Frauen allen Alters Handarbeiten erledigen.

100 Jahre LWL-Klinikum Gütersloh

100 Jahre – und mehr

Im Jahr 1919 nahm das heutige LWL-Klinikum Gütersloh die ersten psychisch kranken Patientinnen und Patienten auf. Die Geschichte der Einrichtung steht stellvertretend für den Wandel der Psychiatrie im Wandel der Zeit.

Mit einem revolutionären Therapieansatz startete die psychiatrische Klinik in Gütersloh – das heutige LWL-Klinikum – im Jahr 1919 in seine wechselhafte Geschichte. Die Patientinnen und Patienten übernahmen Garten- oder Hauswirtschaftsarbeiten als Teil ihrer Behandlung. Durch die bauliche Anordnung der Gütersloher Anstalt im sogenannten Pavillonsystem ergab sich für sie zudem eine familiäre Atmosphäre. „Durch die arbeitstherapeutischen Maßnahmen fanden erstmals auch schwerkranke Menschen eine Tagesstruktur und letztlich einen Sinn in ihrem Dasein“, erklärt Prof. Dr. Klaus-Thomas Kronmüller, Ärztlicher Direktor des LWL-Klinikums. „Bis dahin stand die bloße Verwahrung im Vordergrund."

Der Ansatz einer aktiveren Krankenbehandlung, den der damalige Ärztlichen Direktors Hermann Simon einführte, wurde unter der Bezeichnung „Gütersloher Modell“ weltweit bekannt.

Erster Weltkrieg: Gefangenenlager für Offiziere

Der Grundstein für die Klinik, die im Jahr 2019 ihr 100-Jähriges Bestehen feiert, wurde schon 1910 gelegt. Das so genannte „Landeskrankenhaus für Geistesgestörte“ wurde dann im Ersten Weltkrieg als Gefangenenlager für Offiziere genutzt. Erst nach dem Kriegsende zogen die ersten Patientinnen und Patienten ein. Nach der ersten Hochphase folgte zwei Jahrzehnte später ein dunkles Kapitel: In der Zeit der NS-Diktatur war auch die Gütersloher Provinzialheilanstalt an der Zwangssterilisierung sowie Deportierung von Patientinnen und Patienten beteiligt, von denen 1.017 dem tödlichen Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

Appell der Kriegsgefangenen auf dem Vorhof der Einrichtung, um 1914

Das Luftbild zeigt die Klinik im Jahr 1938.

Wandel zum Akutkrankenhaus

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Provinzialheilanstalt zu einem Akutkrankenhaus, das heute über 338 stationäre Betten und 91 Tagesklinikplätze in unterschiedlichen Fachbereichen verfügt. Es bietet zudem verschiedene ambulante Therapiemöglichkeiten an.

In den 1960er-Jahren gehörten Gruppengespräche bereits zur Therapie.

Kurzfilm

100 Jahre ist es her, dass das heutige Klinikum Gütersloh des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) als Heil- und Pflegeanstalt die Behandlung der ersten psychisch kranken Patienten aufgenommen hat.

Die neuesten Entwicklungen der psychiatrischen Einrichtung

In naher Zukunft soll im LWL-Klinikum Gütersloh eines der ersten „Recovery Colleges“ in Deutschland gegründet werden.

Das Verwaltungsgebäude des LWL-Klinikums Gütersloh, 2019

Die fachliche Zukunft der Klinik in Gütersloh deutete sich schon in der Vergangenheit an. Sie hatte schon früh auf eine störungsspezifische Behandlung gesetzt, es wurden Zentren für die integrierte Versorgung wie das Zentrum für Alters-, Sucht- und Familienmedizin sowie Psychosomatik geschaffen. Die neueste Entwicklung in der Psychiatrie, die stärkere Patienten- und sogenannte Recovery-Orientierung, soll in Gütersloh weiter ausgebaut werden. Recovery heißt soviel wie Wiedergesundung. In naher Zukunft soll im LWL-Klinikum Gütersloh eines der ersten „Recovery Colleges“ in Deutschland gegründet werden, mit der Idee, neben Therapie- auch Bildungsprozessen eine größere Bedeutung für die Genesung bei psychischen Erkrankungen zukommen zu lassen.

Festakt zum 100. Geburtstag des LWL-Klinikums Gütersloh mit zahlreichen Ehrengästen: u.a. Landrat Sven Georg Adenauer (vorne 2.v.r.), stellv. Bürgermeisterin Monika Paskarbies (v.r.), LWL-Direktor Matthias Löb, Historikerin Dr. Ute Pothmann, Prof. Dr. Klaus-Thomas Kronmüller, Ärztlicher Direktor, und Timo Siebert, Kaufmännischer Direktor. Foto: LWL